Das gehört zu den Hauptaufgaben von Ireen Könitzer und Sandy Meinert. Denn als Transplantationskoordinatorinnen an der Klinik für Allgemein-, Viszeralund Gefäßchirurgie am UKJ dürfen sie die Zeit nie aus den Augen verlieren: Die Zeit bis zum nächsten Transplantationsboard, bei dem Experten verschiedener Fachrichtungen über die Transplantationsnotwendigkeit eines neuen Patienten beraten. Die Zeit bis zur nächsten Aktualisierung der Laborwerte eines Patienten auf der Warteliste bei Eurotransplant, der Organisation, die für die Vermittlung des internationalen Austausches von Spenderorganen zuständig ist. Und erst recht die Zeit zwischen dem Organangebot von Eurotransplant bis zur tatsächlichen Transplantation. Ihr Hauptwerkzeug dafür sind ihre Telefone. Und die klingeln ganz schön oft. Denn häufig rufen auch die Patienten, die bereits auf der Warteliste für eine neue Leber sind, bei ihnen an, um nach dem aktuellen Stand der Dinge zu fragen. Aber trotzdem klingelt es noch nicht oft genug. „Gerade befinden wir uns in einem regelrechten Sommerloch“, so Könitzer. „Sonst erhalten wir drei- bis viermal so viele Organangebote“. Weniger Anrufe bedeuten für die Patienten der Warteliste mehr Zeit, in der sie auf ihr neues Organ warten müssen. Mehr Zeit zum Bangen, aber auch mehr Zeit zum Hoffen. Aktuell warten Patienten durchschnittlich zwei Jahre auf eine neue Leber. Und in dieser Zeit müssen sie rund um die Uhr erreichbar sein. Manchmal verlieren Patienten, die sehr schwer erkrankt sind, den Kampf für ein Spenderorgan und gegen die Erkrankung. „Die Arbeit ist immer ein Auf und Ab“, sagt die gelernte Medizinische Fachangestellte Könitzer, die vor ihrer Tätigkeit als Transplantationskoordinatorin bereits jahrelange Erfahrung mit transplantierten Patienten in der Transplantationsambulanz gesammelt hat. „Deshalb freue ich mich umso mehr über jeden Patienten, den ich in der Warteliste von Eurotransplant als transplantiert vermerken kann.“
Doch wie kommt ein Patient überhaupt auf die Warteliste für ein Spenderorgan? Was passiert nach dem Anruf von Eurotransplant, dass ein passendes Organ verfügbar ist? Und welche Aufgaben übernehmen die Transplantationskoordinatoren in den einzelnen Transplantationszentren in diesem Ablauf?
1. Erkennen der Transplantationsnotwendigkeit
Meist erfolgt der Erstkontakt mit den Patienten über andere Krankenhäuser bzw. Haus- oder Fachärzte. Bei einer Erstvorstellung in der Transplantationsambulanz prüfen die Mediziner, wie weit die Erkrankung des Organs fortgeschritten ist und ob Alternativen zu einer Transplantation zur Verfügung stehen.
2. Aufnahme in Warteliste von Eurotransplant
Während eines zweiwöchigen stationären Aufenthalts untersuchen Experten verschiedener Fachbereiche wie Kardiologie, Gastroenterologie, etc. den Patienten intensiv. Im Transplantationsboard entscheiden sie, ob alle gesundheitlichen und sozialen Voraussetzungen für eine Transplantation erfüllt sind. In diesem Fall tragen die Transplantationskoordinatoren der jeweiligen Klinik den Patienten auf die Warteliste von Eurotransplant mit Daten wie Laborwerten, Blutgruppe und dem benötigen Organ ein. Der Patient erhält eine ET-Nummer, die für sein Leben lang gültig ist. Abhängig vom transplantierten Organ richtet sich die Reihenfolge auf der Warteliste nach gewissen Punktesystemen. Bei Lebertransplantationen erfolgt die Organzuteilung nach dem sogenannten MELD-Score, der sich aus drei Laborwerten zusammensetzt und Werte von 6 bis 40 erreichen kann.
3. Wartezeit
Der Patient muss nun stets erreichbar sein, da das Spenderorgan jederzeit verfügbar sein kann. Je nach Dringlichkeit der Organtransplantation prüfen die Jenaer Experten den Gesundheitszustand des Patienten vierteljährlich bis hin zu wöchentlich in der Transplantationsambulanz. Die Transplantationskoordinatoren tragen die aktualisierten Laborwerte regelmäßig in der Warteliste nach.
4. Organangebot durch Eurotransplant
Meist weist Eurotransplant ein gespendetes Organ direkt einem bestimmten Patienten zu, dessen Gewebemerkmale möglichst übereinstimmen. Außerdem können auch Faktoren wie Größe, Alter und Gewicht sowie die Dauer des Transportes zwischen dem Entnahmekrankenhaus und dem Transplantationszentrum eine Rolle spielen. In diesem Fall informiert Eurotransplant die Koordinatoren im Transplantationszentrum per Telefon. Im Transplantationszentrum wird nun geprüft, ob der Patient aufgrund des aktuellen Gesundheitszustands, o.ä. tatsächlich transplantiert werden kann.
5. Vorbereitung des Patienten und Organs
Bereits während des Transportes des Spenderorgans wird der Organempfänger auf die bevorstehende Transplantation vorbereitet. Ist der Patient aktuell bereits stationär aufgenommen, können die notwendigen Untersuchungen wie Blutuntersuchungen, EKG oder Röntgenaufnahmen unmittelbar stattfinden. Andernfalls bitten die Transplantationskoordinatoren den Patienten per Telefon, schnellstmöglich zum Transplantationszentrum zu kommen. Im Idealfall organisieren sie hierfür einen Krankentransport. Anschließend finden die Operationsvorbereitungen statt. Sobald das Organ im Transplantationszentrum angekommen ist, prüfen die Transplanteure es auf seine Funktionsfähigkeit und bereiten es für das Einsetzen vor.
6. Transplantation
Während der Operation öffnen die Transplanteure die Bauchdecke des Patienten. Abhängig vom betroffenen Organ wird nun zunächst wie bei einer Leber das erkrankte Organ entnommen, während erkrankte Nieren in der Regel im Körper verbleiben. Nun pflanzen sie das gesunde Organ ein, indem sie die versorgenden Gefäße des Patienten mit denen des Organs miteinander verbinden. Nach erfolgreichem Test des transplantierten Organs verschließen die Mediziner die Bauchdecke.
7. Stationärer Aufenthalt
Nach der Operation verbringt der Patient einige Tage bis Wochen stationär im Krankenhaus, zunächst auf Intensivstation, später auf Normalstation, um die Funktion des neuen Organs und den Heilungsprozess der Wunde zu prüfen und die Medikation des Patienten optimal einzustellen. Außerdem erhält der Patient Schulungen zu seinem Leben mit dem transplantierten Organ sowie im Umgang mit den notwendigen Medikamenten. Anschließend folgt meist ein Aufenthalt in einer Rehaklinik. Konnte die OP erfolgreich abgeschlossen werden, vermerken die Transplantationskoordinatoren den Patienten bei Eurotransplant als „transplantiert“.
