Im 19. Jahrhundert wurde die Lehre vom Menschen, die Anthropologie, Unterrichtsfach an den deutschen Universitäten. Zu dieser Zeit begann auch die systematische Vermessung menschlicher Individuen. Normierte Messpunkte und Messinstrumente setzten sich durch. Besonders gründlich wurden Kopf, Schädel und Gehirn untersucht. So konnten viele wissen-schaftliche Fragen beantwortet werden. Dabei gab es zahlreiche Versuche, Menschen anhand ihrer Körpermerkmale in Gruppen zu sortieren und diese klar gegen andere abzugrenzen. Oft standen dahinter Ideen, die bis heute zur Herabwürdigung, Unterdrückung und Entmenschlichung von Individuen und Menschengruppen beitragen.
Schädelsammlungen
Die Evolutionstheorie von Charles Darwin hatte viele Fragen aufgeworfen. Sie betrafen die Entwicklung des modernen Menschen aus dem Tier und die Verwandtschaft verschiedener Menschengruppen untereinander. Zugleich hatte der europäische Kolonialismus zu (oft gewaltsamen) Kontakten mit zahlreichen nicht-europäischen Menschen geführt. Mit ihren als fremdartig empfundenen Kulturen und Lebensweisen galten sie vielen Europäern als frühere menschliche Entwicklungsstufen. Aus demselben Grund waren auch Menschen mit fehlgebildeten Köpfen und geistiger Behinderung von Interesse. Zum wissenschaftlichen Vergleich wurden Schädel und Gipsabgüsse gesammelt.
