Die JEMU-Studie ist ein Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch und anderen Formen der Gewalt an Minderjährigen durch Ordensangehörige, Mitarbeitende und ehrenamtlich Helfende sowie zur Wirksamkeit der Prävention im Bereich der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos in Deutschland in den Jahren 1945-2023.
Projektträger: Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos (SDB)
Projektlaufzeit: 2025-2027
Projektleitung: Prof. Dr. Bernhard Strauß
Projektmitarbeiterin: Julia König, M. Sc.
Kooperation: Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der Ludwig-Maximilians-Universität München
Hintergrund
Die Thematisierung von sexualisierter Gewalt in kirchlichen Institutionen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie in familiären Kontexten wurde in umfassenderen Aufarbeitungsprojekten ab etwa 2010 initiiert. Im Zusammenhang mit öffentlichen Erwartungen bemüht sich die katholische Kirche in Deutschland seit mehreren Jahren um die Aufarbeitung sexueller Übergriffe im kirchlichen Kontext. Auch die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos ist von Anschuldigungen sexueller Gewalt gegen Mitglieder und Einrichtungen betroffen. Der Orden ist deshalb den kirchlichen Anerkennungsverfahren der Deutschen Bischofskonferenz und der Deutschen Ordensobernkonferenz beigetreten hat eine Studie zur unabhängigen Aufarbeitung von (sexuellem) Missbrauch in Auftrag gegeben.
Zur Studie
Die Studie wird als Kooperationsprojekt durch zwei universitäre Einrichtungen durchgeführt; die Professur für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der LMU München (Prof. Dr. Klaus Unterburger) und die Professur für Medizinische Psychologie und Psychotherapie am Institut für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie des Universitätsklinikums Jena (Prof. Dr. Bernhard Strauß). Zur kontinuierlichen Reflexion der Arbeit der Projektbeteiligen wird die Studie von einem interdisziplinär besetzten Beirat begleitet.
Das übergeordnete Ziel der Studie besteht darin, Einsichten in unterschiedliche Dynamiken zu gewähren, die den Machtmissbrauch innerhalb des Ordens und seiner Institutionen getragen haben. Mittels multiperspektivischer Analysen sollen so in exemplarischer Weise bestimmte Risikokonstellationen verschiedener Faktoren für Gewalt und Missbrauch aufgedeckt werden. Zur Realisierung werden Daten aus verschiedenen Quellen (Archiven, Interviews und Befragungen) herangezogen und generiert. Die Erfahrungen der Beteiligten werden dabei in den Kontext der sozialen Begleitumstände in den entsprechenden historischen Zeiträumen eingeordnet.
In dem am IPMPP angesiedelten psychosozialen Projektteil sollen insbesondere die psychologischen, soziologischen und systemischen Hintergründe von (sexualisierter) Gewalt und Grenzüberschreitungen bei den Salesianern Don Boscos erhellt werden. Ein weiterer Bestandteil des Jenaer Teilprojektes ist die Bewertung der bereits ergriffenen Präventionsmaßnahmen des Ordens. Perspektivisch sollen die Forschungsergebnisse der Erweiterung des Verständnisses struktureller und gesellschaftlicher Bedingungsfaktoren von Missbrauch sowie der Fundierung und Weiterentwicklung präventiver Maßnahmen dienen.