Leitung
Dr. med. Maximilian Fleischmann
Abteilung für Hämatologie und Onkologie
Klinik für Innere Medizin II
Universitätsklinikum Jena
Tel.: +49 (3641) 9-324258
E-Mail:
Mitarbeiter
- Julia Bechwar (Doktorandin)
- Sanja Bahr (Masterstudentin)
- Lenny-Joseph Schwietzer (Masterstudent)
- Hannah Schieder (Medizinische Doktorandin)

Forschungsschwerpunkte
Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine hochgradig heterogene hämatologische Erkrankung, die durch die klonale Expansion unreifer myeloischer Vorläuferzellen gekennzeichnet ist und zu einem fortschreitenden Knochenmarksversagen sowie systemischen Komplikationen führt. Trotz erheblicher Fortschritte in der molekularen Diagnostik und der Entwicklung zielgerichteter Therapien bleibt die Prognose, insbesondere bei älteren Patienten, weiterhin ungünstig. Die genetische Komplexität der AML stellen große Herausforderungen für eine nachhaltige Krankheitskontrolle dar und unterstreichen den Bedarf an verbesserten und individualisierten Therapiekonzepten.
Die Forschung unserer Arbeitsgruppe konzentriert sich auf die Untersuchung zellulärer Mechanismen, die mit dem Therapieansprechen und der Therapietoleranz bei AML assoziiert sind. Durch den Einsatz funktioneller Zellmodelle und molekularer Analysemethoden analysieren wir adaptive Überlebensprozesse leukämischer Zellen unter therapeutischem Druck.
Kombinationstherapien und Therapieresistenz
Die begrenzte Langzeitwirksamkeit vieler aktueller Therapien bei der AML hat das Interesse an Kombinationstherapien zur Überwindung von Resistenzen bedeutend verstärkt. Während zielgerichtete Substanzen initial wirksam sein können, werden häufig kompensatorische Überlebensprozesse aktiviert, die zur Entwicklung von Therapietoleranz und in der Folge zu Krankheitsrezidiven beitragen. Die gleichzeitige Modulation mehrerer Signal- und Stressantwortwege durch die Kombination verschiedener Wirkstoffe bietet das Potenzial, synergistische Effekte zu erzielen und die therapeutische Wirksamkeit zu verbessern.
Unsere Arbeiten zielen darauf ab, Resistenzmechanismen auf zellulärer Ebene systematisch zu untersuchen und rationale Kombinationsstrategien zu identifizieren, die diese adaptiven Prozesse adressieren. Hierfür etablieren und charakterisieren wir zelluläre Leukämiemodelle, die therapieadaptierte Krankheitszustände widerspiegeln. Diese Modelle ermöglichen die funktionelle und molekulare Analyse veränderter Signalnetzwerke und dienen als Plattform zur Evaluation neuer therapeutischer Konzepte.
Autophagie und zelluläre Stressantworten
Die Autophagie ist ein zentraler zellulärer Stressantwortmechanismus, der die metabolische Anpassung, das Überleben unter therapeutischem Druck und die langfristige Persistenz leukämischer Zellen unterstützt. Zunehmende Evidenz weist auf eine wichtige Rolle der Autophagie bei Therapietoleranz und Krankheitsrezidiven hin. Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt daher auf der Untersuchung autophagieabhängiger Überlebensmechanismen und deren therapeutischer Modulation im Rahmen kombinierter Behandlungsansätze.
Determinanten von Therapieansprechen und Toxizität
Die interindividuelle Variabilität des Therapieansprechens sowie therapieassoziierter Toxizitäten unter der AML-Therapie mit Vidaza und Venetoclax stellt eine klinische Herausforderung dar. Unsere Forschung zielt darauf ab, die Robustheit der gesunden Hämatopoese gegenüber den antikleukämischen Therapien zu untersuchen und so zu einer besseren Therapiesteuerung beizutragen.
Fortgeschrittene präklinische Modelle
Eine wesentliche Limitation der translationalen Leukämieforschung ist das Fehlen physiologisch relevanter präklinischer Modelle, die die Knochenmarkmikroumgebung adäquat abbilden. Um dieser Herausforderung zu begegnen, ist unsere Arbeitsgruppe an der Entwicklung eines dreidimensionalen, mikrofluidischen Tumor-on-Chip-Kultursystems zur Kultivierung primärer AML-Zellen beteiligt. Dieses Vorhaben wird im Rahmen eines interdisziplinären Verbundprojekts gemeinsam mit Carl Zeiss Microscopy GmbH, Microfluidic ChipShop GmbH, dem Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e. V. sowie Dyomics GmbH durchgeführt und durch die Thüringer Aufbaubank gefördert.
Proteomik und systembiologische Analysen
Ergänzt wird unsere Forschung durch enge Kooperationen mit der AG Funktionelle Proteomanalyse unter Leitung von jun. Prof. Dr. rer. net. Florian Meier-Rosar zur Durchführung von Proteom- und Phosphoproteomanalysen an Primärmaterial von AML-Patienten, beispielsweise zur Charakterisierung von neuen prognose- und therapierelevanten Biomarkern und Proteinmustern mit Beitrag zur Resistenzentwicklung.
Auswahl an Publikationen
2026
Fleischmann M, Hansen O, Voigtländer D, Bechwar J, Schwietzer LJ, Bahr S, Schnetzke U, Fischer M, Heidel FH, Schnöder TM, Müller JP, Hochhaus A, Scholl S. Targeting MCL-1 and MAPK overcomes venetoclax resistance in FLT3-ITD–positive AML cells harboring activating PTPN11 (SHP-2) mutations. Br J Haematol. Accepted for publication.
2025
Papayannidis C, Schnetzke U, Fleischmann M, De La Fuente Burguera A, Metzeler K, Lane M, Zhou L, Hamdy A, Cerchione C. Preliminary pharmacokinetic and MRD results from AML patients treated with 7- and 14-day dosing schedule of emavusertib added to combination therapy with azacitidine and venetoclax. Blood. 2025;146(Suppl 1):5201. Poster presented at: ASH Annual Meeting 2025; Orlando, FL.
2024
Fleischmann M, Jentzsch M, Brioli A, Eisele F, Frietsch JJ, Eigendorff F, Tober R, Schrenk KG, Hammersen JF, Yomade O, Hilgendorf I, Hochhaus A, Scholl S, Schnetzke U. Azacitidine in combination with shortened venetoclax treatment cycles in patients with acute myeloid leukemia. Ann Hematol. 2024 Oct 25. doi: 10.1007/s00277-024-06048-5.
Fleischmann M, Bechwar J, Voigtländer D, Fischer M, Schnetzke U, Hochhaus A, Scholl S. Synergistic Effects of the RARalpha Agonist Tamibarotene and the Menin Inhibitor Revumenib in Acute Myeloid Leukemia Cells with KMT2A Rearrangement or NPM1 Mutation. Cancers. 2024; 16(7):1311. https://doi.org/10.3390/cancers16071311
Arends CM, Kopp K, Hablesreiter R, Estrada N, Christen F, Moll UM, Zeillinger R, Schmitt WD, Sehouli J, Kulbe H, Fleischmann M, Ray-Coquard I, Zeimet A, Raspagliesi F, Zamagni C, Vergote I, Lorusso D, Concin N, Bullinger L, Braicu EI, Damm F. Dynamics of clonal hematopoiesis under DNA-damaging treatment in patients with ovarian cancer. Leukemia. 2024 Jun;38(6):1378-1389. doi: 10.1038/s41375-024-02253-3.
2022
Fleischmann M, Schnetzke U, Frietsch JJ, Sayer HG, Schrenk K, Hammersen J, Glaser A, Hilgendorf I, Hochhaus A, Scholl S. Impact of induction chemotherapy with intermediate-dosed cytarabine and subsequent allogeneic stem cell transplantation on the outcome of high-risk acute myeloid leukemia. J Cancer Res Clin Oncol. 2021 Jul 23. doi: 10.1007/s00432-021-03733-0.
Fleischmann, M., Schnetzke, U., Hochhaus, A. et al. Ziele und Optionen der palliativen Therapie der akuten myeloischen Leukämie. Onkologie 28, 483–491 (2022). https://doi.org/10.1007/s00761-022-01151-6
2021
Fleischmann M, Schnetzke U, Hochhaus A, Scholl S. Management of Acute Myeloid Leukemia: Current Treatment Options and Future Perspectives. Cancers (Basel). 2021 Nov 16;13(22):5722. doi: 10.3390/cancers13225722.
Fleischmann M, Fischer M, Schnetzke U, Fortner C, Kirkpatrick J, Heidel FH, Hochhaus A, Scholl S. Modulation of FLT3-ITD Localization and Targeting of Distinct Downstream Signaling Pathways as Potential Strategies to Overcome FLT3-Inhibitor Resistance. Cells. 2021 Nov 3;10(11):2992. doi: 10.3390/cells10112992.
Förderung
Unsere Arbeiten werden durch Fördermittel aus nationalen und institutionellen Programmen unterstützt, darunter:
- Deutsche José-Carreras-Leukämie-Stiftung
- Institut und Zentrum für Klinische Forschung (IZKF)
- Else-Kröner-Promotionskolleg „Autophagie - Recycling, Reparatur, Abwehr (AURA)“
- Thüringer Aufbaubank (TAB)