Jena (UKJ/me). Plötzliche, starke Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Atemnot, Herzrasen, Verwirrtheit – bei diesen zahlreichen Symptomen denken viele nicht sofort an eine Sepsis, die lebensbedrohliche Komplikation einer Infektion. „Aber sie zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland, die eben immer noch unterschätzt wird. Jährlich erkranken in Deutschland über 230.000 Menschen daran, mindestens 85.000 davon versterben“, weiß Prof. Dr. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ).
In der Jenaer Abendvorlesung am 29. April 2026 rückt er das Thema „Sepsis – Mehr als eine Blutvergiftung“, in den Mittelpunkt. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Hörsaal 1 am UKJ in Lobeda. In seinem Vortrag erklärt er, was eine Sepsis ist und was die Erkrankung so gefährlich macht. „Wir sprechen von einer Sepsis, wenn die Funktion eines Organs, etwa die Niere oder eines Organsystems wie Kreislauf, Atmung, beeinträchtigt sind. Jede noch so banal erscheinende Infektion kann eine lebensbedrohliche Sepsis auslösen. Das kann beispielsweise eine kleine Stichwunde sein, die sich infiziert hat und nicht richtig behandelt wird.“
Eine Sepsis dürfe dabei nicht mit einer Blutvergiftung gleichgesetzt werden, so der Sepsis-Experte: „Bakterien geraten nicht zwingend in die Blutbahn. Zu den häufigsten Ursachen einer Sepsis zählt eine Lungenentzündung, bei der unser Immunsystem in der Lunge überaktiviert wird oder nicht richtig anspricht und es zum Lungenversagen kommt. Aber auch Infektionen im Bauchraum und Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Ursachen einer Sepsis.“
Risikogruppen seien vor allem Menschen ab einem Alter von 65 Jahren, insbesondere Hochbetagte, und Kinder unter einem Jahr. „Lungenentzündungen kann entsprechend durch Impfungen sehr gut vorgebeugt werden, zum Beispiel gegen Pneumokokken und Influenza.“, ergänzt Michael Bauer. Ein wesentliches Problem sei, dass eine Sepsis nach wie vor oft zu spät erkannt wird und das auf allen Ebenen, vom Laien bis zu den Ärztinnen und Ärzten. Denn je früher eine Sepsis festgestellt wird, desto besser stehen die Chancen, eine Sepsis zu überleben und Spät- und Langzeitfolgen, etwa kognitive und körperliche Beeinträchtigungen, einzudämmen.
In seiner Abendvorlesung möchte der Sepsis-Experte an Beispielen vermitteln, worauf jeder achten sollte, um eine Sepsis zu erkennen. „Sepsispatientinnen und -patienten fühlen sich so krank wie noch nie. Wenn etwa der Opa plötzlich verwirrt, schläfrig ist und sein Verhalten akut verändert, können das für Angehörige auch Sepsiswarnzeichen sein.“ Generell appelliert er, Symptome immer ernst zu nehmen. „Sollten Warnzeichen da sein, nicht abwarten, sondern dringend abklären lassen.“
Darüber hinaus wird er auf die aktuelle Therapie eingehen. Im Kern müsse immer sofort eine Antibiose und Kreislaufunterstützung mit Infusionen erfolgen. Ziel sei die Sterblichkeit zu verringern. „Die Sterblichkeit bei einer Sepsis liegt zwischen 20 und 30 Prozent. Wir wollen dies kontinuierlich verbessern und in den einstelligen Bereich bringen. Wir haben bereits große Fortschritte im Verständnis der Therapien gemacht“, betont er.
Die kostenlose Hybrid-Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Hörsaal 1 im UKJ in Lobeda. Interessierte, Angehörige, Fachpublikum und Medizininteressierte sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Termin auf einen Blick:
Jenaer Abendvorlesung am 29. April
Thema: Sepsis - Mehr als eine „Blutvergiftung“?
Referent: Prof. Dr. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Ort: Hörsaal I, Universitätsklinikum Jena, Standort Lobeda, Am Klinikum 1, 07747 Jena
Beginn: 19 Uhr
Die kostenlose Veranstaltung kann auch online verfolgt werden. Den Einwahllink samt Kenncode gibt es unter www.uniklinikum-jena.de/Abendvorlesung
Kontakt:
Prof. Dr. Michael Bauer
Universitätsklinikum Jena
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Am Klinikum 1
07747 Jena
Tel.: 03641 9 323101
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