KoWiss -
Bedeutung kollektiver Wissensbestände von Hausärzt:innen in Ost- und Westdeutschland beim Wandel im ambulanten Gesundheitssystem
Studienzeil
Das ambulante Gesundheitssystem befindet sich aktuell in einem Wandel, in den Hausärzt:innen maßgeblich involviert sind. Die Bewältigung des Wandels hängt wesentlich von den bestehenden Erfahrungs- und Wissensbeständen der Hausärzt:innen ab. Diese verfügen in Ost- und Westdeutschland aufgrund der deutsch-deutschen Teilung und der daran angeknüpften politischen Transformation um 1989/90 über unterschiedliche kollektive Erfahrungen.
Ausgehend von wissens- und professionssoziologischen Fragestellungen ist es Ziel des Projektes, anhand eines qualitativen Forschungsdesigns die Erfahrungs- und Wissensbestände unterschiedlicher hausärztlicher Kohorten zu erheben um somit zu einem differenzierten Verständnis zur Bewältigung der Herausforderungen im ambulanten Gesundheitssystem zu gelangen.
Projekteam
- Dr. phil. Hariet Kirschner (Projektleitung)
- Philip Koch
Vorarbeit - HÄ89
HÄ89 - Kollektive Wissensbestände von Hausärzt:innen in Ostdeutschland
Ost- und westdeutsche Hausärzt:innen verfügen über unterschiedliche Erfahrungshintergründe aufgrund der deutsch-deutschen Teilung von 1949 bis 1989. Die Gesundheitssysteme der DDR und BRD unterschieden sich deutlich in ihren strukturellen und organisatorischen Grundprinzipien: Während die DDR ein zentralistisch organisiertes, staatlich gelenktes Versorgungssystem mit Polikliniken und angestellten Ärzt:innen etablierte, setzte die BRD auf ein pluralistisches, marktwirtschaftlich geprägtes Modell mit freiberuflich tätigen Hausärzt:innen, Kassenzulassung und Selbstverwaltung.
Im Zuge der politischen Transformation 1989/90 erfuhren ostdeutsche Hausärzt:innen eine umfassende Umstrukturierung des ambulanten Gesundheitswesens. Die Anpassung an das System der BRD ging mit weitreichenden Veränderungen ihrer beruflichen Rahmenbedingungen und Versorgungsrealitäten einher. Diese führte zu erheblichen Veränderungen ihrer beruflichen Situation. Für die ostdeutschen Hausärzt:innen begann damit eine Phase der Neuorientierung, begleitet von Unsicherheiten und Belastungen, jedoch auch Möglichkeiten und Chancen der beruflichen Neugestaltung. Diese Wissens-und Erfahrungsbestände wirken sich ebenfalls auf die aktuell im Gesundheitswesen stattfindende Transformationsprozesse aus.
Die bislang vorliegenden Ergebnisse einer ersten Studie liefern grundlegende Erkenntnisse zu den Erfahrungen ostdeutscher Hausärzt:innen im Zuge des gesundheitspolitischen Systemwechsels 1989/90 (vgl. Publikationen, vgl. Poster).
Projektteam
Publikationen
- Kirschner H, Henkel R, Bleidorn J. Den „Zopf der sozialistischen Medizinverwaltung abschütteln“– Auswirkungen des Systemumbruchs ab 1989/90 auf Thüringer Allgemeinmediziner.Ärzteblatt Thüringen, 4, 44-46 (2025).
- Kirschner H, Henkel R, Knoepffler N, Bleidorn J. Die Jahre 1989/90 als Wagnis für ostdeutsche Allgemeinmediziner:innen. Z Allg Med (2024). https://doi.org/10.1007/s44266-024-00302-9
