Jena (UKJ/ac). Ein Mann liegt im Bett am Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ). Seine transplantierte Niere arbeitet nicht mehr zuverlässig. Von seinen Armen führen Schläuche zu einem Gerät. Dunkelrotes Blut fließt hindurch. Das Gerät filtert die Antikörper aus dem Blut, die sich gegen seine transplantierte Niere richten, und führt das gereinigte Blut wieder zurück in den Körper. Es ist das Jahr 2001. Andere Optionen als die therapeutische Apherese gibt es für ihn kaum. Für die Jenaer Transfusionsmedizin markiert dieser Moment den Beginn einer Therapie, die vor 25 Jahren nur an wenigen Standorten in Deutschland verfügbar war – und die bis heute eingesetzt wird, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen.
„Wir hatten dieses Gerät, aber keine Erfahrung damit“, erinnert sich Dr. Silke Rummler, die vor 25 Jahren am Institut für Transfusionsmedizin begann und es heute leitet. Das Apherese-System wurde ursprünglich für die Thrombozytenspende angeschafft. „Für den therapeutischen Einsatz mussten wir uns das Wissen erst erarbeiten. Erfahrene Apherese-Zentren gab es damals nur wenige.“ Von Beginn an arbeitete das Team der Transfusionsmedizin eng mit anderen Fachbereichen des UKJ zusammen, insbesondere mit der Inneren Medizin und der Transplantationsmedizin. In den ersten Jahren standen vor allem Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus im Fokus. Später folgten Patientinnen und Patienten mit Transplantatabstoßungen. „Viele der heute etablierten medikamentösen Therapien wie die Antikörpertherapie gab es damals noch nicht. Die Apherese eröffnete neue Möglichkeiten“, sagt die Transfusionsmedizinerin. Besondere Bedeutung nimmt die Methode auch bei den sogenannten AB0-inkompatiblen Transplantationen ein. Dabei werden Organe wie Niere und Leber trotz unterschiedlicher Blutgruppen übertragen. „Mithilfe der Apherese lassen sich die Antikörper gegen fremde Blutgruppen vor dem Eingriff gezielt eliminieren“, erklärt Silke Rummler. Das Jenaer Transplantationszentrum war damit bundesweit eines der ersten, das Leberlebendspenden unabhängig von der Blutgruppe durchgeführt hat.
