Jena (UKJ/ac). Nach einem Mopedsturz liegt eine Jugendliche auf der Untersuchungsliege. Äußerlich sind nur Schürfwunden zu erkennen. Ob auch innere Organe verletzt wurden, zeigt der Ultraschall. Dr. Alena Gschwind, Ärztin in Weiterbildung in der Kinderklinik am Universitätsklinikum Jena (UKJ), führt den Schallkopf über den Bauch. Der erfahrene Kinderradiologe Dr. Paul-Christian Krüger begleitet die Untersuchung und beurteilt die Bilder gemeinsam mit ihr.
Diese Untersuchung steht für ein Ausbildungskonzept, das jetzt erneut bestätigt wurde: Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DGUM) hat die Kinderradiologie des UKJ als qualifiziertes pädiatrisches Ultraschall-Weiterbildungszentrum rezertifiziert. Deutschlandweit verfügen derzeit nur sieben Kliniken über dieses Qualitätssiegel. Sie bestätigt, dass angehende Fachärztinnen und Fachärzte den Ultraschall nach einem strukturierten Curriculum erlernen und dabei eng von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen begleitet werden. Für Kinder und ihre Familien bedeutet es, dass Ultraschalluntersuchungen nach einheitlichen Qualitätsstandards erfolgen.
Ultraschall ist Handwerk und Erfahrung zugleich
Ob nach einem Unfall, bei Fieber oder anhaltenden Bauchschmerzen: Ultraschall gehört in der Kinder- und Jugendmedizin zu den wichtigsten Untersuchungsverfahren. Er kommt ohne Röntgenstrahlen aus und liefert innerhalb weniger Minuten wichtige Hinweise. Doch seine Aussagekraft hängt nicht allein von der Technik ab. „Ultraschall lernt man nicht aus Büchern“, sagt Prof. Dr. Hans-Joachim Mentzel, Leiter der Jenaer Kinderradiologie. „Neben der praktischen Untersuchungstechnik vermitteln wir auch die physikalischen Grundlagen der Sonografie, die Gerätekunde und die strukturierte Bewertung der Befunde. Erst dieses Zusammenspiel ermöglicht eine sichere Diagnostik."
Lernen Schritt für Schritt
Die strukturierte Ultraschallausbildung gehört in Jena fest zur Facharztweiterbildung für Kinder- und Jugendmedizin. Alle angehenden Kinderärztinnen und Kinderärzte absolvieren eine dreimonatige Rotation in der Kinderradiologie. Sie beobachten zunächst erfahrene Kolleginnen und Kollegen, übernehmen anschließend einzelne Untersuchungsschritte und führen später Ultraschalluntersuchungen zunehmend selbstständig unter Supervision durch. Insgesamt kommen sie so auf mehrere Hundert Untersuchungen.
Eine dieser Ärztinnen in Weiterbildung ist Dr. Alena Gschwind. Sie befindet sich im vierten Jahr ihrer Facharztweiterbildung. Bereits während ihres Medizinstudiums in Jena entdeckte die gebürtige Bayerin ihre Begeisterung für die Sonografie. Nach der Famulatur in der Kinderradiologie wurde sie studentische Sonografie-Tutorin und sammelte schon früh praktische Erfahrung. Während ihrer Rotation begegnet sie täglich ganz verschiedenen Fragestellungen. Besonders anspruchsvoll sei die Ultraschalldiagnostik des Darms, etwa bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung. „Den Darm zu untersuchen, gilt als Königsdisziplin", sagt Dr. Alena Gschwind. „Mit jeder Untersuchung lichtet sich die Dunkelheit ein Stück mehr und man erkennt immer besser, worauf es ankommt. Ich kann nun viel sicherer einschätzen, wann ein Ultraschall ausreicht und wann weitere Diagnostik notwendig ist."
Für Hans-Joachim Mentzel ist genau diese Entwicklung das Ziel der zertifizierten Weiterbildung: „Angehende Fachärztinnen und Fachärzte in der Kinder- und Jugendmedizin sollen den Ultraschall sicher beherrschen und seine Möglichkeiten ebenso kennen wie seine Grenzen. Davon profitieren letztlich vor allem die Kinder und ihre Familien."
Hintergrund zur DGUM-Zertifizierung
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DGUM) vergibt die Zertifizierung als qualifiziertes pädiatrisches Ultraschall-Weiterbildungszentrum jeweils für drei Jahre. Voraussetzung sind ein strukturiertes Ausbildungscurriculum, qualifizierte Ausbilderinnen und Ausbilder, moderne Ultraschalltechnik sowie ein breites Spektrum an Untersuchungen. Zum Curriculum gehören theoretische Grundlagen der Sonografie, Gerätekunde, Bildqualität und Befundbewertung ebenso wie praktische Untersuchungen nahezu aller Organsysteme. Ärztinnen und Ärzte dokumentieren dabei mehrere Hundert Ultraschalluntersuchungen nach DGUM-Standards.
