Jena (UKJ/vdG). Biofilme sind eine wirksame Verteidigungsstrategie von Bakterien: Die Krankheitserreger besiedeln abwehrschwache Stellen, wie die Oberflächen von Implantaten oder Kathetern, und verschanzen sich hinter einem Schutzschild aus Schleim, der sie vor dem Immunsystem und Antibiotika schützt. Zusätzlich erschwert die Resistenzbildung die Behandlung der oft chronischen Infektionen, die von bakteriellen Biofilmen herrühren.
Zu deren Bekämpfung sind Bakteriophagen als natürliche Feinde der Bakterien in den Fokus der Infektiologie gerückt. Diese Phagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien - oft spezifisch nur wenige Stämme – infizieren und dabei deren Zellwände auflösen. Sie wurden vor über einhundert Jahren entdeckt, und genauso alt ist die Idee, sie zur Bekämpfung von Infektionen zu nutzen. Wegen der schwierigen Reinigung der Phagen von Wirtsbakterien und deren Giften schlug der Ansatz aber anfangs oft fehl und geriet dann in Vergessenheit nach der Entdeckung der Antibiotika. Dass diese immer öfter an Resistenzen scheitern, macht die Phagen wieder höchst interessant.
Ein Forschungsteam am Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Jena untersuchte jetzt im Labor die Wirkung einer Kombinationstherapie von Phagen und Antibiotika. Es nutzte dafür einen multiresistenten Stamm von Klebsiellen, die Lungenentzündungen, aber auch andere Infektionen hervorrufen können. Aus dem Abwasser des Klinikums hatte das Team Phagen gewonnen, die diese Bakterien infizieren können. „Die Phagenforschung ist einer unserer wissenschaftlichen Schwerpunkte“, so Prof. Dr. Mathias Pletz, der Direktor des Jenaer Instituts. „Dafür erfassen wir Phagen in einer Biobank und charakterisieren sie molekulargenetisch.“

