„Die Pille? Kommt für mich nicht in Frage!“, sagen immer mehr Frauen, wenn es um die Empfängnisverhütung geht. Der Einsatz dieses hormonellen Verhütungsmittels geht über die letzten zwei Jahrzehnte stetig zurück. Im Aufwind sind hingegen Zyklus-Apps, die die Möglichkeit einer natürlichen Familienplanung oder Verhütung versprechen: ohne Hormone und ohne mögliche Nebenwirkungen. Doch viele der Apps auf dem Markt sind nicht präzise genug, um zuverlässig vor einer Empfängnis zu schützen. Der Forschungsverbund CONtraCEPT will hier langfristig mehr Sicherheit schaffen. In klinischen Studien an den Universitätskliniken Heidelberg und Düsseldorf und eng kooperierenden experimentellen Forschungsarbeiten an den Universitätskliniken in Hamburg und Jena will der Verbund zur Entwicklung zuverlässiger Heimtests zur Verhütung beitragen.
Partner in Jena ist das Plazenta-Labor der Klinik für Geburtsmedizin. „Wir erhalten von den Studienteilnehmerinnen Vaginalabstriche und Proben von der Mundschleimhaut. Mit Proteomicsmethoden suchen wir darin im Abgleich mit den Zyklusdaten nach Biomarkern für die fruchtbaren Tage“, beschreibt Laborleiter Prof. Dr. Udo Markert. In Verknüpfung mit digitalen Technologien sollen diese die Grundlage für einfache und sichere Schnelltests zur Bestimmung des fruchtbaren Fensters im Zyklus bilden. Die derzeit angebotenen Apps können das nicht leisten.
Warum die meisten Zyklus-Apps nicht sicher genug sind
Eine Zyklus-App verarbeitet Angaben und Messungen der Nutzerin zu körperlichen Vorgängen, sogenannte Biomarker, und schließt daraus auf Zyklusphasen, Eisprung und hormonelle Veränderungen. Bekannte Biomarker sind etwa die Körperkerntemperatur direkt nach dem Aufwachen am Morgen, die nach einem Eisprung leicht ansteigt, sowie der Zervixschleim, ein Sekret aus dem Gebärmutterhals, das sich an den fruchtbaren Tagen verändert. Neuere Biomarker, die in Apps eingegeben werden, sind z.B. Hormonmessungen im Urin oder die nächtliche Veränderung der Herzfrequenz. Aus solchen Daten ermitteln die Apps die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus.
„Da die Auswertung auf sehr vereinfachten Rechenmodellen beruht, sind die Ergebnisse nicht ausreichend aussagekräftig“, bemängelt Dr. Petra Frank-Herrmann, Oberärztin in der Gynäkologie am Uniklinikum Heidelberg und Projektleiterin von CONtraCEPT. Beispielsweise gingen viele Apps davon aus, dass der Zyklus 28 Tage dauere und der Eisprung am 14. Zyklustag erfolge, oder sie beruhten auf Durchschnittswerten aus mehreren Zyklen. „Bei mehr als 60 Prozent aller Frauen schwankt die Zyklusdauer jedoch um sieben Tage oder mehr, und damit auch der Zeitpunkt der fruchtbaren Tage,“ so Frank-Herrmann.
Der Weg zu zuverlässigeren Zyklus-Apps
Die an CONtraCEPT beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit von Zyklus-Apps durch neue Ansätze verbessern. Dazu gehören neben der Suche nach neuen Biomarkern die Untersuchung und Optimierung ausgewählter, bereits auf dem Markt befindlicher Zyklus-Apps und ihrer Messsysteme. Das Forschungsteam wählt die wissenschaftlich vielversprechendsten Apps aus und vergleicht in Studien deren Vorhersagen mit dem tatsächlichen fruchtbaren Fenster, das mittels Ultraschallmessungen des Eisprungs ermittelt wird. Die Daten der Teilnehmerinnen werden in ein Datenregister aufgenommen, statistisch analysiert und in standardisierter Form allen Verbundpartnern zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist auf insgesamt drei Jahre angelegt.
Weitere Informationen:
- Homepage Plazentalabor
- Nachwuchsforschungszentrum für Frühschwangerschaft und Reproduktive Gesundheit CEPRE
- Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg
Kontakt in Jena:
Apl. Prof. Dr. Udo Markert
Plazentalabor, Klinik für Geburtsmedizin, Universitätsklinikum Jena
