Jena (UKJ/me). Es klingt so einfach, ein kleiner Pieks und dann schmelzen die Pfunde. Sogenannte Abnehmspritzen versprechen schnelle Wirkung und werden verstärkt nachgefragt. Doch sind diese für Diabetespatientinnen und -patienten und darüber hinaus ein gutes Mittel? Wie hängen Übergewicht und Diabetes zusammen? Über diese und weitere Fragen zum Thema Diabetes und Übergewicht spricht PD Dr. Christof Kloos, Leiter des Funktionsbereiches Endokrinologie, Diabetologie/Stoffwechselerkrankungen für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Jena (UKJ), in der Jenaer Abendvorlesung am 28. Januar 2026. Die kostenfreie Hybrid-Veranstaltung für Betroffene, Angehörige und Medizininteressierte beginnt um 19 Uhr im Hörsaal 1 des UKJ in Lobeda.
Übergewicht gilt als ein Risikofaktor, um einen Diabetes Typ-2 zu entwickeln. Aber pauschal bedeute es nicht, dass Übergewicht automatisch zu Diabetes führe, so der Diabetes-Experte: „Das Risiko für Diabetes mellitus ist bei Menschen, die an Adipositas erkrankt sind, etwa dreimal so hoch. Es gibt allerdings kein Schwellengewicht, wo man sagt, damit steigt das Diabetesrisiko. Menschen, die an Diabetes Typ-2 erkrankt sind, nehmen allerdings schneller zu.“ Das liege am zusätzlichen Insulin. „Indem mehr Insulin freigesetzt wird, wird mehr Energie im Speichergewebe eingelagert“, erklärt er.
In der Klinik für Innere Medizin III erhalten Patientinnen und Patienten eine Ernährungsberatung, bevor Abnehmmedikamente ein Thema werden. Das sei ein Grundbaustein der Therapie, so Christof Kloos: „Neben der Ernährungsberatung spielt natürlich Bewegung eine wichtige Rolle. Ziel ist immer ein Kaloriendefizit zu erzeugen.“
Sind die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft, können Abnehmmedikamente bei diesen Patientinnen und Patienten ein Thema sein. Ursprünglich als Diabetesmedikamente auf den Markt gekommen, werden sie bereits seit 15 Jahren angewendet und mittlerweile auch bei Adipositas eingesetzt. Christof Kloos: „Es sind an sich gut getestete Medikamente, die das Sättigungsgefühl erhöhen und dadurch zur Gewichtsreduktion beitragen, wenn Diät und Bewegung allein nicht ausreichen. Auch können die Präparate bei Menschen mit Diabetes Typ-2 das Risiko für Herz- und Nierenerkrankungen verringern.“
Der Diabetes-Experte nimmt allerdings eine verstärkte Nachfrage in der allgemeinen Bevölkerung wahr, vor allem weil es derzeit als Trend-Medikament beim generellen Abnehmen gelabelt wird. „Wir müssen immer Chancen und Risiken für Diabetes-Patientinnen und -Patienten abwägen. Wer allerdings nicht an Diabetes oder Adipositas leidet, sollte noch kritischer damit umgehen und abwägen, ob eine Abnehmspritze sinnvoll ist. Nur der BMI ist hier nicht das Maß der Dinge für eine individuelle Risikovorhersage.“ Eine Abnehmspritze kann laut Christof Kloos zudem zu Nebenwirkungen vor allem im Magen-Darm-Trakt wie Völlegefühl, Erbrechen und Übelkeit führen.
Das Team der Klinik für Innere Medizin III bietet gemeinsam mit dem Team der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie mit der Adipositassprechstunde ein weiteres Angebot. Hier werden Patientinnen und Patienten mit Diabetes Typ-2 und Adipositas interdisziplinär beraten und behandelt, zum Beispiel, ob eine Magenverkleinerung sinnvoll ist. Christof Kloos gibt folgenden Rat: „In jedem Fall braucht es die entsprechende ärztliche Begleitung und Beratung und genauso eine Änderung des Lebensstils.“
Termin auf einen Blick:
Jenaer Abendvorlesung am 28. Januar 2026
Thema: Diabetes wegspritzen?
Ort: Hörsaal I, Universitätsklinikum Jena, Standort Lobeda, Am Klinikum 1, 07747 Jena
Beginn: 19 Uhr
Die kostenlose Hybrid-Veranstaltung, kann auch online verfolgt werden. Den Einwahllink samt Kenncode gibt es HIER.
