Jena (UKJ/me). Wieder starke Luftnot, wieder Monate auf einer Station verbringen, wieder Hoffen und Bangen, ob es mit einem Spenderorgan klappt. Schließlich wird es die erste Herztransplantation für Julika Werner am Universitätsklinikum Jena (UKJ), aber schon die Zweite in ihrem Leben. Denn die 38-Jährige musste von den Herzexpertinnen und -experten im Dezember 2025 retransplantiert werden. „Solche zweiten Herztransplantationen sind sehr selten. Weniger als ein Prozent aller Transplantationen in Deutschland sind davon betroffen und wir behandeln einen solchen Fall auch nur alle paar Jahre“, erklärt Prof. Dr. Torsten Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am UKJ. Der Herzexperte und sein Team konnten das Spenderherz in einem siebenstündigen Eingriff erfolgreich einsetzen. 2025 wurden insgesamt zehn Herztransplantationen am UKJ durchgeführt.
Erste Herztransplantation vor 13 Jahren
Für sie war es das Weihnachtsgeschenk: „Ich hatte keine Angst vor der Transplantation. Denn ich wusste ja durch die Erfahrungen der ersten Transplantation, was auf mich zukommt und, dass es mir danach besser geht.“ 2013 wurde sie das erste Mal transplantiert. Damals lebte die gebürtige Flensburgerin gerade in Hamburg. Ihr Leidensweg beginnt davor: Nachdem sie drei Schlaganfälle erlitten und überstanden hatte, kam es zur chronischen Herzinsuffizienz. „Das Herz wollte nicht mehr. Und bereits die erste OP war für mich wie ein Sechser im Lotto. Danach ging es zwar wieder bergauf, aber nie wieder so wie vorher“, erzählt Julika Werner. Rund 13 Jahre hielt ihr erstes Spenderherz. Die Rückschläge kamen in den vergangen fünf Jahren. Wie vor der ersten Transplantation hatte sie Probleme mit der Atmung. Sie bekam Wassereinlagerungen in den Beinen. Die Herzrhythmusstörungen waren wieder zurück. Und selbst einfaches Treppensteigen ging irgendwann nicht mehr. Mehrere Klinikaufenthalte gehörten wieder zum Alltag.
„Obwohl ihr erstes Organ die durchschnittliche Lebensdauer eines Spenderherzens erreicht hatte, liegt die Verschlechterung höchstwahrscheinlich an einer chronischen Abstoßungsreaktion. Man kann sich das als Versteifung des Transplantates vorstellen, sodass das Herz nicht mehr richtig pumpen kann“, erklärt Dr. Tim Sandhaus, Leiter des Herztransplantationsprogramms am UKJ.
Dritter Herz-Geburtstag im Dezember
Ende September 2025 wird Julika Werner stationär am UKJ aufgenommen „Wir haben zwischenzeitlich versucht, sie durch eine Klappenrekonstruktion der Mitral- und Trikuspidalklappe zu stabilisieren, aber auch das hatte nicht den gewünschten Erfolg. Eine Listung für eine Transplantation war die einzige Möglichkeit“, ergänzt Tim Sandhaus. Drei Monate später erhält sie die erlösende Nachricht: sie bekommt erneut ein Herz. Ihr dritter Geburtstag ist sozusagen der 12. Dezember 2025.
Die Expertinnen und Experten um Prof. Dr. Torsten Doenst öffneten für die Herztransplantation die alte Narbe und mussten dabei besonders auf die Verwachsungen von den Voroperationen achten. Das Organ konnte erfolgreich verpflanzt werden.
„Ein Glückstreffer, weil alles so schnell ging“, meint die Patientin. Den Eingriff verkraftet sie gut. Direkt am Tag nach der OP, startete das Team der Physiotherapie mit der Mobilisierung. „Ich habe direkt gemerkt, dass das Herz top ist. Man braucht eine gewisse Zeit, damit das Gehirn diesen Lottogewinn realisieren kann“, so Julika Werner.
Die junge Mutter ist dem gesamten Team unheimlich dankbar und freut sich nun auf die Zeit mit ihrer kleinen Familie. „Für mich bedeutet dieses Geschenk einfach alles. Ich kann wieder mit meiner kleinen Tochter zusammen sein. Und ich freue mich auf die kleinen Dinge im Leben, etwa wieder auf meinen Garten und einfach mal wieder in den Urlaub fahren zu können.“
Prof. Dr. Torsten Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, ist stolz auf sein Team: „Transplantationen sind immer Teamwork. Wir begleiten unsere Patientinnen und Patienten intensiv über Monate von der Wartezeit, über die Operation und zur Nachsorge.“
Laut den Jenaer Herzexperten kann man von einer guten Prognose ihres zweiten Spenderherzens ausgehen. Sie wird weiterhin engmaschig am UKJ begleitet und regelmäßig zur Kontrolle in der Jenaer Herzchirurgie vorbeikommen. Doch Julika Werner blickt der Zukunft mutig entgegen: „Alles passiert aus einem Grund. Ich hab’s überstanden.“ Jetzt genießt sie erstmal, wieder Zuhause in Arnstadt zu sein und jeden neuen Tag mit ihrem dritten Herz.
Kontakt:
Dr. Tim Sandhaus
Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Universitätsklinikum Jena
Am Klinikum 1
07747 Jena
Tel.: 03641 / 9-322969
