Seit April arbeitet Manuel Allwang als Assistenzarzt in der Notaufnahme des UKJ. Im Gespräch blickt der junge Arzt auf sein Studium und spricht über seine Pläne.
Warum haben Sie die Notaufnahme des Universitätsklinikums für Ihren Berufsstart gewählt?
Manuel Allwang: Die Notfallmedizin ist ein unheimlich spannendes Fachgebiet. Ich hoffe sehr, dass die Pläne für eine eigenständige Facharztausbildung bald umgesetzt werden, denn ich würde gerne nicht nur Notarzt, sondern auch Facharzt für Notfallmedizin werden. Weil das UKJ Uniklinikum und zugleich Stadtkrankenhaus für Jena ist, sehen wir hier die gesamte Breite der medizinischen Notfälle – von häufigen wie Verletzungen bei Knochenbrüchen und Unfällen oder Herzinfarkten bis hin zu speziellen Dingen, bei schweren Schlaganfällen oder Krebspatienten zum Beispiel. So lernt man die Breite der Notfallversorgung, aber auch das Detail bei einem selteneren Krankheitsbild.
Warum haben Sie sich für ein Medizinstudium in Jena entschieden?
Manuel Allwang: Mein Studienwunsch Medizin stand schon rechtzeitig fest, auch mit dem Berufsziel Notarzt. Jena war nach Leipzig auf Platz zwei meiner Ortsliste, weil ich aus Bayern stamme und ich zum Studieren woanders hingehen wollte, aber auch nicht zu weit weg. Ich kannte Jena am Anfang gar nicht und es war schon aufregend, sich nach der Zusage für den Studienplatz in kurzer Zeit ein Zimmer zu suchen in einer völlig neuen Stadt. Das hat aber letztlich gut geklappt und Jena hat mir dann so gefallen, dass ich nach dem Studium gerne hierbleiben wollte.
Das Medizinstudium gilt als besonders schwer und umfangreich, was die Studieninhalte angeht, haben Sie das so empfunden?
Manuel Allwang: Das variiert zwischen den Fächern, da ist die Vorklinik auch wirklich anstrengender. Das Lernpensum ist größer und in diesem ersten Studienabschnitt ist oft die Praxisrelevanz noch nicht klar. Deshalb ist die angestrebte Verzahnung der Grundlagen mit klinischen Aspekten sehr wichtig. Insgesamt nimmt wegen der immensen Stofffülle das Auswendiglernen schon sehr viel Raum ein im Vergleich zum Wissen anwenden, übertragen und Zusammenhänge herstellen. Das ist aber nötig, um zum Beispiel zu beurteilen, warum ein Medikament bei einer bestimmten Patientin nicht wirkt. Ein solches fallbasiertes Lernen könnte noch viel weiter ausgebaut werden.
Sie haben sehr aktiv in der Fachschaft und im Fakultätsrat mitgearbeitet, was waren Ihre Ziele dabei?
Manuel Allwang: Ich wollte mich einsetzen für bessere Studienbedingungen: Wir haben ja erlebt, dass engagierte Lehrende in manchen Fächern tolle Lehrangebote machen. Warum sollte das nicht woanders auch gehen, mit mehr praxisorientierter Lehre oder durch Digitalisierung? In der Corona-Zeit zum Beispiel haben wir als Fachschaft viel vermittelt zwischen den Wünschen der Studierenden und den Möglichkeiten der Klinik, um trotz Hygieneauflagen praktische Lehre zu ermöglichen, oder dass Vorlesungen vertont und aufgezeichnet wurden. Wir konnten da Einiges erreichen. Genauso bei den akademischen Verfahren: Bei Berufungen zum Beispiel hat unser Votum zur Lehrleistung durchaus Gewicht, und für akademische Qualifikationen sind nicht nur Forschungsmeriten, sondern auch hochschuldidaktische Weiterbildungen notwendig. Als Student merkt man durchaus, ob die Lehrenden das Lehren gelernt haben. Ein anderes Ziel war, die Studierenden als wichtigen Teil des UKJ ein bisschen sichtbarer zu machen.
Welchen Tipp würden Sie Medizinstudienanfängern geben?
Manuel Allwang: Ich fand es gut, sich im Studium die vielen Gebiete der Medizin in Praktika oder Famulaturen wirklich hautnah anzuschauen, um zu sehen, was mich interessiert und ich letztlich auch gut kann. So habe ich gemerkt, dass mir mehr das Generalistische liegt. Selbstvertrauen, Ausdauer und Beharrlichkeit helfen, auch mal einen Misserfolg wegzustecken und die Chance zu nutzen, daraus zu lernen. Und es ist wichtig, sich frühzeitig einen Ausgleich zum Studium zu suchen, einen Sportverein oder ein Hobby, die helfen, die Balance im Alltag zu behalten. Das merke ich gerade jetzt, denn die Dienste können schon anstrengend und die Versorgung der Notfallpatienten sehr fordernd sein. Aber das ist genau das, was ich machen möchte.