Jena (UKJ/me) Konzentriert führt Ingeborg Wöhe ihre Übungen auf dem Pezziball in der multimodalen Schmerztherapie am UKJ aus. Seit über zehn Jahren plagen die 80-Jährige chronische Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und in den Beinen. Deshalb absolviert sie nun ein Therapieprogramm in der Schmerztagesklinik am Universitätsklinikum Jena (UKJ). Um die Behandlung und Versorgung chronischer Schmerzpatientinnen und Patienten wie Ingeborg Wöhe weiter zu verbessern, gehört das UKJ als einzige Schmerztagesklinik Thüringens nun zu einem deutschlandweiten Netz von elf Kliniken, mit denen die Krankenkassen BARMER und Techniker sowie die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. Qualitätsverträge für die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie abgeschlossen haben.
„Bereits seit über zwölf Jahren ist das Konzept der interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie etabliert. Nun können wir unser Angebot für unsere Patientinnen und Patienten ausbauen und die Qualität der Patientenversorgung insgesamt weiter verbessern“, erklärt apl. Prof. Dr. Winfried Meißner, Leiter der Schmerztagesklinik am UKJ.
Im tagesklinischen Setting absolviert die Rentnerin vier Wochen lang nicht nur Physio-, Ergo- und Sporttherapie, sondern auch schmerztherapeutische und psychologische Schulungen sowie Entspannungsübungen. Dabei spielen auch nicht-medikamentöse Verfahren eine große Rolle. „Therapiemöglichkeiten wie eine Akupressurmatte oder ätherische Öle sind für mich völlig neu“, erzählt sie.
Bereits nach der ersten Woche spürt sie Fortschritte. „Die verschiedensten Übungen sind sehr hilfreich. Ich probiere mehr aus, während ich früher das Gefühl hatte, den Schmerz aushalten zu müssen. Schon jetzt ist mein Bewusstsein gestärkt, mehr für mich zu tun. In den vergangenen Jahren war ich bei verschiedensten Ärzten und Fachrichtungen gewesen, um eine Ursache zu finden. Jetzt bin ich dankbar, wie fürsorglich ich hier behandelt werde.“
Multimodale Schmerztherapie bedeute laut PD Dr. Christina Lemhöfer, Direktorin des Instituts Physikalische und Rehabilitative Medizin am UKJ, nicht, dass der Schmerz plötzlich verschwindet, sondern in der Therapie am UKJ sollen die Patientinnen und Patienten lernen, wie sie mit chronischen Schmerzen besser umgehen, egal ob im Alltag, in der Freizeit oder im Beruf. Damit dies gelingt, arbeiten Expertinnen und Experten der Schmerzmedizin, Physiotherapie, Psychologie und Psychotherapie interprofessionell eng zusammen und bringen ihre Expertise ein, erstellen beispielsweise nach dem Assessment einen individuellen Therapieplan und setzen diesen gemeinsam um.
„Wir arbeiten bereits mit einem sehr hochwertigen Behandlungskonzept. Im Rahmen der Qualitätsverträge sollen zukünftig weitere wichtige Qualitätskriterien in die Therapie einfließen“, ergänzt Winfried Meißner. Dazu sollen etwa gemeinsame Abschlussbesprechungen gehören, bei der die drei Disziplinen, Schmerz-, Physio-, Psychotherapie, an einem Tisch sitzen, außerdem ein patientenverständlicher Arztbrief und eine Patientenbefragung, deren Ergebnisse in eine Datenbank einfließen sollen.
Ingeborg Wöhe hat feste Ziele vor Augen: „Auch, wenn ich nie schmerzfrei sein werde, kann ich viel dazu lernen, um meine Schmerzen zu mindern und sie zu verstehen. Ich möchte besser Treppen steigen können und würde mich freuen, wenn ich mit meinem Mann endlich einmal wieder wandern gehen kann.“
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