Jena (UKJ/ane). Etwa 7000 Frauen in Deutschland erhalten pro Jahr die Diagnose Eierstockkrebs, medizinisch auch Ovarialkarzinom. Diese Art Tumor ist die zweithäufigste bösartige Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane und gehört zu den aggressivsten Tumoren, die bei rund der Hälfte der Patientinnen innerhalb von fünf Jahren zum Tode führt. Die Gefährlichkeit des Eierstockkrebs liegt darin begründet, dass dieser über lange Zeit keine Symptome verursacht und deshalb oft erst sehr spät entdeckt wird. Hinzu kommt, dass es bislang keine wirksame Früherkennung gibt. Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass auch erbliche Ursachen Grundlage der Erkrankung sein können.
Um in Thüringen allen Patientinnen die bestmögliche Behandlung über die Klinik- und Sektorengrenzen hinaus zu ermöglichen, wurde gestern Abend in Jena auf Initiative des Universitätsklinikums das Thüringer Kompetenznetzwerk Eierstockkrebs gegründet.
In ihrer Begrüßungsrede betonte Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk: “Thüringen ist ein Flächenland, da wissen Patientinnen oft nicht, wo die verschiedenen Kompetenzen in der medizinischen Versorgung zu finden sind. Das Thüringer Kompetenznetzwerk Eierstockkrebs ist ein hervorragendes Beispiel, wie man die unterschiedlichen medizinischen Beratungsangebote mit dem Ziel einer bestmöglichen Behandlung zusammenführen kann.“
„Die Behandlungsoptionen für das Ovarialkarzinom werden immer zahlreicher und komplexer“, betont Prof. Dirk Bauerschlag, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin am UKJ und Initiator des Kompetenznetzwerkes. „Im Rahmen von klinischen Studien können wir unseren Patientinnen im Land den Zugang zu neuartigen Medikamenten ermöglichen und hierzu ist ein Austausch mit allen am Behandlungsprozess Beteiligten ein sehr wichtiger Schlüssel.“
Ziel des gestern gegründeten Netzwerkes ist eine standortübergreifende Versorgung sowie heimatnahe Behandlung von Patientinnen mit Eierstockkrebs in der primären und rezidivierten Erkrankungssituation auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Im Netzwerk arbeiten im Ergebnis der gestrigen Gründungsveranstaltung 15 Kliniken, Praxen und Institutionen aus ganz Thüringen zusammen. Zwölf weitere haben bereits ihr Interesse bekundet.
Zum Netzwerk-Koordinator wurde Prof. Dirk Bauerschlag vom UKJ ernannt. Die Funktion des Stellvertreters hat Dr. Jörg Herrmann, Chefarzt Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Sophien und Hufeland Klinikum Weimar übernommen.
Die Netzwerk-Mitglieder wollen sich halbjährlich zusammenfinden. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit unter anderem auch über ein Online-Tumorboard organisiert werden.
