Die Erkennung eines möglichen Organspenders ist der erste und entscheidende Schritt im Prozess einer Organspende. Im Universitätsklinikum Jena erfolgt von allen Intensivstationen eine frühzeitige Kontaktaufnahme, um Fragen zur Spendereignung mit den Koordinatorinnen und Koordinatoren der DSO zu klären.
Das Klinikum hat einen festen internen Ablaufplan für den Prozess einer Organspende aufgestellt. Im Klinikum ist ein Team von Transplantationsbeauftragten tätig, das sich aus Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Pflegekräften sowie Psychologen zusammensetzt. Für das Personal der Intensivstationen finden quartalsweise Fortbildungen zum Thema Organspende statt.
Den Angehörigen von Organspendern steht im Universitätsklinikum Jena ein psychologisch geschultes Team zur Seite.
Rückwirkend werden alle Fälle von Verstorbenen mit primärer oder sekundärer Hirnschädigung analysiert, um die Qualität der Spendererkennung weiter zu optimieren. Organspenden werden evaluiert und mit allen Beteiligten nachbesprochen. Es findet regelmäßig ein Qualitätszirkel statt, zu dem Mitarbeitende der DSO eingeladen werden.
Das Thema Organspende hat einen festen Platz in der Krankenpflegeausbildung sowie in der Weiterbildung des ärztlichen Personals und es wird im Intranet aufgegriffen. Weiterhin gibt es Veranstaltungen für die Öffentlichkeit zur Aufklärung über die Organspende, z.B. eine Informationsveranstaltung im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften im Jahr 2024 oder ein Tag der Organspende mit Tattoo-Aktion im Jahr 2025.
Im Jahr 2025 gab es im Universitätsklinikum Jena 25 organspendebezogene Kontakte und 12 Organspenden (2024: 18 organspendebezogene Kontakte und 6 Organspenden).
Statement von Dr. med. Albrecht Günther | Oberarzt Klinik für Neurologie, Leitung Neurologische Intensivmedizin, Transplantationsbeauftragter im Universitätsklinikum Jena:
„Organspende ist immer eine gemeinsame Leistung, von der Erkennung eines möglichen irreversiblen Hirnfunktionsausfalls (Hirntods) zur definierten Feststellung über die Gespräche mit den Angehörigen bis zum Abschluss der Organspende. Patienten zu erkennen, die so fatale Schädigungen am Gehirn erlitten haben, dass sie voraussichtlich daran sterben werden, zählt oft mit zu den größten Herausforderungen in diesem Prozess. Das beinhaltet eine möglichst sichere neurologische Prognostizierung, ob ein schwerst hirngeschädigter Patient einen irreversiblen Hirnfunktionsausfall entwickelt. Daher legen wir sehr großen Wert auf regelmäßige Weiterbildungen zum Thema Irreversibler Hirnfunktionsausfall (IHA) mit den beteiligten Fachdisziplinen insbesondere der Intensiv- und Notfallmedizin, inklusive der MitarbeiterInnen der Pflege auf Grundlage des aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisstands.
Fakt ist: Besteht eine Unsicherheit in der klinischen Beurteilung, kann der Hirntod zu diesem bestimmten Zeitpunkt nicht festgestellt werden.
Wir arbeiten in dem gesamten Prozess der Organspende sehr eng mit den Kolleginnen und Kollegen der DSO zusammen. Darüber hinaus werden gemeinsam mit den DSO-KoordinatorInnen alle Fälle aufgearbeitet, bei denen ein Patient mit einer Hirnschädigung im Krankenhaus verstorben ist, aber nicht als Organspender infrage kam bzw. kein irreversibler Hirnfunktionsausfall festgestellt wurde. Ziel ist, die Abläufe immer weiter zu verbessern - im Sinne aller unserer Patienten - derer, die leider sterben und derer, die hoffentlich von einer Organtransplantation profitieren können.“