Leitbildentwicklung - Historie

 

Wozu Leitbild? Woher kommt die Idee?

Selbst diejenigen die sagen: „Wozu ein Leitbild ? Das, was da drin steht, gehört doch zum normalen guten Benehmen - dazu brauche ich kein Leitbild.“, erkennen damit indirekt die formulierten Werte und Grundsätze dem Grunde nach an.

Nun, wozu ein Leitbild? Im selben Atemzug müsste man fragen: Wozu formuliert die Philosophie seit Jahrhunderten ethische und moralische Grundsätze? Wozu entwickelte der Staat ein Grundgesetz und Gesellschaften Regeln und Gesetze des Zusammenlebens, wenn all die Handlungsweisen dem Menschen von Natur aus eingegeben sind?

Nur wenn sich die Beteiligten über zentrale Zielsetzungen und Werte klar und einig sind, können sie, trotz unterschiedlicher Sicht- und Verhaltensweisen, ihre Handlungen bündeln und orientieren.

Was macht man, wenn man eine komplexe Problematik erkannt hat und nach einer Lösung sucht? Man holt sich Anregungen, wie andere die Thematik angegangen sind. So müssen wir zugeben, dass das Konzept Leitbild keine Erfindung unseres Klinikums ist.

Es kommt aus der Wirtschaft, was angesichts deren Orientierung auf Leistungseffizienz verwundern mag. Betriebswirtschaftler betonen hierbei: Ein Leitbild darf - soll es funktionieren - nicht oktroyiert sein, sondern muss in einem partizipativen Prozess entwickelt werden. Es muss alltagstauglich sein, das heißt die formulierten Werte, Normen und Ziele müssen in Einklang stehen mit dem, was die Mitarbeiter denken, sagen, tun und lassen.

Letztendlich war der Klinikumsvorstand zu dem Schluss gekommen: Ein Leitbild muss her, nur wie?

 

Leitbildentwicklung - Wie fing es an ?

Der erste Versuch fand bereits im Jahr 2000 statt und ist an Zweifeln und Unstimmigkeiten gescheitert. Jedoch blieben die Probleme dieselben und man nahm das Ganze 2006 noch einmal in Angriff. Eine Lenkungsgruppe wurde gegründet. Zum „Worldcafé“ am 07.09.2006 wurden alle Mitarbeiter des Klinikums eingeladen. Die rund 200 Teilnehmer bedachten, welche Kernaussagen und Themen sich im Leitbild wiederfinden sollten. Diese wurden in fünf Themengebiete strukturiert. Innerhalb der Lenkungsgruppe wurde jeder thematische Punkt an entsprechende Verantwortliche verteilt und in Arbeitsgruppen unter Berufung von Mitarbeitern aller Berufsgruppen bearbeitet und der entsprechende Text formuliert. In der Leitbildkonferenz am 27. Juni 2007 wurde schließlich der komplette Leitbildtext präsentiert und offiziell bestätigt.

Danach stellte sich eine bei weitem schwierigere Aufgabe: Dieses Leitbild soll gelebt werden - wie schaffen wir das?

 

Die Umsetzungsphase - Das Leitbild steht: Wie erreichen wir die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ?

Etwas, das nicht in den Köpfen der Mitarbeiter verankert ist, kann nicht in ihr Verhalten einfließen. Es wurde für jeden Arbeitsbereich ein Leitbildbeauftragter benannt.

Um den Selbstverwaltungscharakter des Leitbildes besser zu etablieren, sollen in Zukunft die Leitbildbeauftragten von den Mitarbeitern der eigenen Einrichtung gewählt werden.

Der Leitbildbeauftragte dient zum einen als Vermittler für Belange des Leitbildes an der Basis, zum anderen sollte er sich bei entsprechenden Konflikten im Sinne des Leitbildes einbringen. Er hat die Möglichkeit, Rückmeldungen an die Lenkungsgruppe als übergeordnete Organisationseinheit zu geben, in der jedem Leitbildbeauftragten ein Lenkungsgruppenmitglied als Pate zugeordnet ist. Ein Feedback kann auch in den jährlich stattfindenden Leitbildkonferenzen gegeben werden.

 

Wo stehen wir aktuell ?

Im Jahr 2011 wurde die neue Lenkungsgruppe aus dem Kreis der Leitbildbeauftagten vorgeschlagen und gewählt. Daraufhin sind vier Projektgruppen entstanden, in denen sich interessierte Mitarbeiter, Leitbildbeauftragte und projektverantwortliche Lenkungskreismitglieder zusammengeschlossen haben.

Da Ausbildung und Lehre wichtige Aufgabengebiete eines Universitätsklinikums sind und Studierende eine zahlenmäßig große Gruppe darstellen, wurde der Leitbildtext von der Gruppe „Leitbild für Studierende“ entsprechend ergänzt, so dass auch die Studierenden mit ihren Rechten und Pflichten berücksichtigt wurden. Jeder Studierende erhält bei Aufnahme seines Studiums ein Exemplar der Leitbildbroschüre in die Hand.

Die Gruppe „Öffentlichkeitsarbeit“ kümmert sich um die Information der Mitarbeiter über die Aktivitäten des Leitbildes, unter anderem durch die Herausgabe des Newsletters und die Aktualisierung der Website.

Die Gruppe „meet your neighbours“ hat die Zielsetzung, Austausch und Verständnis zwischen unterschiedlichen Abteilungen zu fördern und entsprechende Aktionen zu planen und zu realisieren.

Die Projektgruppe „Leuchtturm“ erstellt ein Handbuch sowohl mit Festlegungen zu Rechten und Pflichten des Leitbildbeauftragten als auch organisatorischen Verfahrensanweisungen sowie praktischen Tipps. In Zukunft werden wir Weiterbildungen für Leitbildbeauftragte anbieten können.

 

Wie können wir das Leitbild im Alltag leben ?

Dass unter Zeitnot, wirtschaftlichem Druck und äußeren Notwendigkeiten die Werte und Ziele des Leitbildes schnell mal ins Hintertreffen geraten, sollte im Blick behalten werden. Das Leitbild ist durchaus gemeint als eine realistische Utopie. Sich auf dieses erstrebenswerte Ziel hinzuentwickeln ist ein immerwährender Prozess. Das Leitbild muss gelebt werden - das gilt für alle Ebenen. Stehen wir dafür, dass die zentralen Werte und Ziele in unsere tägliche Arbeit einfließen! Konflikte wird es immer geben. Das Ziel ist ein besserer Umgang mit Konflikten und ein besser Umgang mit uns und unseren Patienten.