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Rasche Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert vollzogen sich an der Medizinischen Fakultät deutlich spürbare Veränderungen. Eine größere Praxisnähe wurde angestrebt und erste Ansätze einer naturwissenschaftlich ausgerichteten Forschung begannen sich zu entwickeln. Große Verdienste erwarben sich hierbei unter anderem Zacharias Brendel sen., der erste chemische Übungen und botanische Exkursionen durchführte und vor allem Werner Rolfinck.
Rolfinck, der in Venedig promoviert hatte und von 1629 bis zu seinem Tode 1673 in Jena wirkte, las hier Anatomie, Chirurgie und Botanik und errichtete, italienischen Vorbildern folgend, das "Theatrum anatomicum", das 50 bis 60 Zuschauern Platz bot. Hier fanden im Rahmen der Ausbildung von Medizinern regelmäßig öffentliche Sektionen menschlicher Leichen - vor allem Hingerichteter - statt.

Werner Rolfinck (1599-1673) gehörte zu den bedeutendsten Medizinern des 17. Jh.

Unter Rolfinck erlebte vor allem die Anatomie in Jena einen raschen Aufschwung. Außerdem verstärkte sich an der Medizinischen Fakultät die Akzeptanz der Lehren von Paracelsus und Vesal sowie Harvey, dessen Erkenntnisse und Auffassungen über den Blutkreislauf Rolfinck unterstützte.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts prägten Persönlichkeiten wie Georg Erhard Hamberger, dessen langjähriger Streit mit dem Göttinger Naturwissenschaftler und Mediziner Albrecht von Haller um die Atemtechnik in die Wissenschaftsgeschichte einging und Hermann Friedrich Teichmeyer, der in Jena ein neues Gebiet, die Gerichtsmedizin, las, die Medizinische Fakultät. Teichmeyer setzte sich für die Durchführung gerichtlicher Obduktionen ein und schuf damit die Grundlage für die verstärkte Nutzung ärztlicher Gutachten in der Jurisdiktion.

Georg Wolfgang Wedel, der nach 96 Semestern Lehrtätigkeit seine akademische Laufbahn im Jahre 1721 beendete, galt als ausgezeichneter Pharmazeut, der die Chemie in den Dienst der Heilkunde stellte.
In der Chirurgie bemühte sich Karl Friedrich Kaltschmied erfolgreich, die chirurgische Tätigkeit wissenschaftlich zu fundieren und vom Standard der Wundärzte und Barbiere auf ärztliches Niveau zu heben. Ernst Anton Nikolai und Johann Ernst Neubauer schufen die Grundlagen der Augenheilkunde in Jena. Johannes Friedrich Faselius machte sich nicht nur als Gerichtsmediziner - er setzte sich hier unter anderem für eine Beschränkung der Anwendung der Folter ein - einen Namen, sondern auch um die Geburtshilfe verdient. Eine von ihm vorgeschlagene "Hebammen-Eignungs-Prüfung" wurde einige Jahrzehnte später unter Justus Christian Loder in Jena eingeführt.
Alle diese Entwicklungen hatten natürlich auch Auswirkungen auf die Ausbildung der Medizinstudenten, die um 1800 einen Anteil von 25% an der Jenaer Studentenschaft stellten. Die Lehre wurde durch neue Erkenntnisse aus Medizin und Naturwissenschaften verbessert und erhielt einen immer stärkeren Praxisbezug - wie etwa den Unterricht am Krankenbett. Die Medizinische Fakultät Jena gehörte im ausgehenden 18. Jahrhundert angesichts zahlreicher namhafter Professoren zu den ersten Adressen in Deutschland.

 






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