Pressemitteilungen 2012

08.06.2012 Resistenter Darmkeim erfolgreich eingedämmt / Acht Frühgeborene konnten bereits entlassen werden / Keine Erkrankungen Frühzeitiger Nachweis durch regelmäßige Patientenuntersuchungen

Jena (ukj/dre). Durch konsequente krankenhaushygienische Maßnahmen und regelmäßige Untersuchungen der Patienten ist es dem Universitätsklinikum Jena (UKJ) gelungen, eine großflächige Verbreitung des so genannten VRE-Keims („Vancomycin-resistente Enterokokken“) auf der Frühgeborenenstation in der Kinderklinik des UKJ zu verhindern. Am 24. April 2012 wurde in der Kinderklinik des UKJ im Rahmen der Routinediagnostik bei einem Frühgeborenen eine VRE-Besiedlung nachgewiesen. „Es war der erste Nachweis in unserer Klinik seit Jahren“, erklärt Prof. Dr. James Beck, der Direktor der Klinik. Nach dem Nachweis wurden direkt die in solchen Fällen erforderlichen zusätzlichen Hygienemaßnahmen umgesetzt.

Dazu zählen etwa das Tragen spezieller Schutzkleidung und die Patientenisolation. Zum maximalen Patientenschutz wurden die Stationsbereiche der Klinik umfassend untersucht und erfolgreich desinfiziert. In der Klinik ist der Keim derzeit (Stand 8.6.) nicht mehr nachweisbar. Insgesamt wurde eine Besiedelung mit dem VRE-Keim nach dem 24. April zeitlich versetzt bei insgesamt 14 Frühgeborenen nachgewiesen. Keines der Kinder ist an einer Infektion erkrankt, acht Frühgeborene konnten die Klinik bereits wieder verlassen. Seit dem 29. Mai wurden keine weiteren VRE-Besiedlungen festgestellt.

Aktuell kein Keimfund in der Klinik

Momentan werden noch fünf Frühchen stationär versorgt, bei denen eine Keimbesiedlung nachgewiesen wurde. Alle fünf sind zusammen isoliert, auch sie sind nicht an einer Infektion erkrankt. Der weitere Klinikaufenthalt ist aufgrund ihrer derzeitigen und normalen körperlichen Entwicklung erforderlich. Aktuell wird davon ausgegangen, dass sie in zwei bis drei Wochen die Klinik verlassen können. „Eine Therapie mit speziellen Reserveantibiotika ist auch bei ihnen nicht nötig, da sie keine Erkrankungsanzeichen aufweisen“, so Prof. Beck.

Enterokokken sind Teil der normalen Darmflora von Mensch und Tier. Wahrscheinlich durch den Antibiotikaeinsatz, z.B. in der Tierhaltung oder durch übermäßigen Gebrauch in der Medizin, entstehen die gegen Vancomycin resistenten Enterokokken (VRE). Diese können bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem schwere Infektionen bis hin zur Sepis hervorrufen. Der Darmkeim verfügt über eine extrem hohe Umweltresistenz, das heißt, er ist nur mit enorm hohen hygienischem Aufwand zu eliminieren. Anders als z.B. bei MRSA gibt es keine direkten Wege, zum Beispiel durch spezielle Waschungen mit desinfizierenden Seifen, um den Keim beim Patienten zu entfernen. Schätzungsweise rund sieben Prozent der Bevölkerung trägt  Vancomycin-resistente Enterokokken in sich, ohne daran zu erkranken. „Die resistente Variante ist nicht aggressiver, sondern im Falle einer tatsächlichen Infektion nur schwieriger zu behandeln“, erklärt Prof. Dr. Mathias Pletz, Leiter der Sektion „Klinische Infektiologie“ am UKJ.

Frühgeborene werden wöchentlich untersucht / Keine Verpflichtung

Bereits seit Jahren werden die Frühgeborenen in der Kinderklinik des UKJ wöchentlich auf multiresistente Keime wie eben VRE untersucht. Dazu zählen ein Rektalabstrich und ein Rachenabstrich. Für diese Untersuchungen besteht keine gesetzliche Pflicht: „Wir führen sie als zusätzliche Maßnahme im Rahmen unserer Infektionsprävention durch. Die jetzige Situation zeigt, wie wichtig dieser Schritt ist, um das Auftreten sofort zu erkennen und eine Ausbreitung erfolgreich eindämmen zu können“, erklärt Prof. Dr. Klaus Höffken, Medizinischer Vorstand des UKJ. 

Die Patientenproben werden im Institut für Mikrobiologie des UKJ untersucht. „Dabei zeigte sich, wie hartnäckig der Keim ist. Trotzdem konnten wir zum Glück eine Erkrankungswelle verhindern, allerdings gab es in den Folgewochen noch weitere Einzelfälle von zeitlich versetzten Besiedlungen, die allerdings in keinem einzigen Fall zu einer Erkrankung führten“, erklärt Dr. Ute Dobermann, Leitende  Krankenhaushygienikerin des UKJ. Nach dem Erstnachweis am 24. April wurden am 25. April zwei weitere Besiedelungen bestätigt. Am 30. April und am 9. Mai gab es je einen Nachweis. Am 15. Mai, am 22. Mai und am 29. Mai wurden jeweils drei VRE-Besiedelungen durch die Untersuchungen des UKJ nachgewiesen. Aktuell laufen Untersuchungen, ob die die Enterokokken einem oder verschiedenen Stämmen angehören. Dies könnte einen möglichen Hinweis auf die Quelle des Keimes geben, die derzeit noch unklar ist.

Die Kinder wurden auf der Intensivstation und der Post-Intensivstation wegen ihres Frühgeborenenzustandes medizinisch versorgt. In beiden Bereichen wurde der Keim seit dieser Woche nicht mehr gefunden, die Zimmer und die Stationen wurden intensiv durch die Krankenhaushygiene untersucht und gereinigt. Zur Sicherheit werden auch weiterhin Proben entnommen. Zudem wurde eine Task Force gegründet, bestehend aus Klinikhygiene, Medizinischer Mikrobiologie und Kinderklinik.

Zum Schutz der übrigen Patienten wurden und werden die betroffenen Neugeborenen mit einem VRE-Nachweis durch eine eigene Pflegekraft betreut, die sich nur um diese Kinder kümmert. Ein Kind, das extrem früh geboren wurde, ist aufgrund seiner sehr starken körperlichen Unreife leider verstorben. In diesem Fall bestehe allerdings kein ursächlicher Zusammenhang mit dem VRE-Nachweis, so Prof. Beck.

„Gezielte Suche ist wichtig“

„Solche Situationen zeigen, wie wichtig die konsequente Krankenhaushygiene und vor allem auch die gezielte Suche nach solchen Keimen sind. Denn nur so kann man sie finden und entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten wie in diesem Fall. Aber deutlich wird auch: Die Resistenz vieler Keime gegen Antibiotika ist eine wachsende Herausforderung für die medizinische Versorgung in den Kliniken. Daher gibt es u.a. eine neue Forschergruppe an unserem Klinikum, die an nachhaltigen Strategien gegen solche multiresistenten Keime arbeitet“, so Prof. Dr. Klaus Höffken, Medizinischer Vorstand des UKJ.

Das Gesundheitsamt Jena und die Aufsichtsbehörden des UKJ wurden über die Situation informiert.

In der kommenden Woche werden routinemäßig erneut Abstriche der Frühgeborenen entnommen.

Kontakt:

Stefan Dreising

Leiter Unternehmenskommunikation

Pressesprecher

 

Universitätsklinikum Jena

Stabsstelle Unternehmenskommunikation

07743 Jena

Tel + 49 3641 934382

Fax + 49 3641 933293

EMail:

Web: www.uniklinikum-jena.de

 
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